Fehler beim Grillen

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  • ArtikelNr.: MZ-1575
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  • Beim Grillen kann man vieles falsch machen und oft ist man sich dessen gar nicht bewusst. In diesem Ratgeber möchten wir ein paar übliche Fehler aufzeigen.
    FAQ & Ratgeber
 

Beschreibung

Fehler beim Anzünden und bei der Inbetriebnahme

Bereits beim Anzünden des Grills werden häufig Fehler gemacht. Insbesondere beim Entzünden von Holzkohle gibt es viele schon lange bestehende und über Generationen weitergereichte Irrtümer.

Anzünden mit Benzin und Spiritus

Bitte nutzen zu Ihrer eigenen Sicherheit und der Ihrer Freunde keinen Spiritus oder Benzin. Es ereignen sich immer wieder schwere Unfälle, weil unbedarfte Grillfreunde Benzin oder Spiritus über die im Grill ausgebreiteten Kohlen gießen. Dadurch entstehen beim Entzünden meterhohe, nicht kontrollierbare Stichflammen, die zu starken Verbrennungen von Haaren und Haut führen können. In warmen/trockenen Jahreszeiten entzünden sich unter Umständen sogar ganze Wiesen, Bäume oder anliegende Häuser.

Nutzen Sie stattdessen lieber einen Anzündkamin. Dieser ermöglicht ein schnelles und sicheres Durchglühen der Holzkohle.

Fehler bei der Inbetriebnahme des Gasgrills

Trotz zahlreicher Hinweise und ausführlicher Anleitungen passiert es immer wieder, dass durch unsachgemäße Verwendung Schäden an Gasgrills entstehen. Beherzigen Sie also folgende Ratschläge:
  • Vor Inbetriebnahme eines neuen Grills zwingend die Betriebsanleitung lesen
  • Alle Gasleitungen, wie in der Betriebsanleitung beschrieben, mit dem passenden Werkzeug festziehen
  • Überprüfen, ob der richtige Druckminderer mitgeliefert und montiert ist (Dies kann von Land zu Land variieren)
  • Einen Eimer mit hochkonzentriertem Seifenwasser füllen und mit einem Spüllappen auf jede Leitungsverbindung auftragen. Nun die Gasflasche aufdrehen oder die Brennerzünder betätigen. Ist ein Leck vorhanden entstehen kleine Bläschen
  • Nach dem Grillen zuerst die Gasflasche zudrehen, sodass die Gasleitungen geleert werden - erst danach die Regelventile zudrehen
  • Beachten in welchem Intervall der Gasschlauch gewechselt werden muss

Grillen in geschlossenen Räumen

Ein sehr wichtiges und nicht zu unterschätzendes Thema ist die Nutzung von Grillgeräten in geschlossenen Räumen. Sowohl Holzkohle- als Auch Gasgrills dürfen nicht in geschlossenen bzw. nicht gut belüfteten Räumen genutzt werden. Es kommt zu einer nicht zu unterschätzenden Rauchentwicklung und das dabei freigesetzte, geruchslose Kohlenstoffmonoxid führt zu akutem Sauerstoffmangel und zu einer Kohlenstoffmonoxidvergiftung, die sehr schnell tödlich enden kann.

Um sicherzugehen, wie und wo Sie ihr Grillgerät nutzen können und dürfen, lesen Sie bitte die Betriebsanleitung durch.

Fehler bei der Zubereitung

Neben den eher technischen Fehlern beim Anzünden und bei der Inbetriebnahme von Grills, gibt es auch zahlreiche Stolpersteine beim tatsächlichen Grillen.

Falsche Temperaturen beim Grillen

Informieren Sie sich zu Beginn, welche Temperatur der Grill und das Gargut benötigen. Starten Sie lieber mit etwas weniger Hitze und messen Sie diese mit einem Grillthermometer. Es ist immer einfacher die Temperatur zu erhöhen, als sie zu reduzieren. Ist ein Holzkohlegrill im Einsatz, sollte Sie immer etwas mehr Kohle im Anzündkamin durchglühen, sodass Sie bei Bedarf noch Kohlen nachlegen können.

Vor dem Auflegen des Grillgutes sollten Sie darauf achten, dass die Kohle mit einer grauen Ascheschicht bedeckt ist und nicht mehr unangenehm riechend ausgast. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Kohle durchgeglüht ist. Außerdem sollten Sie die Kohle nicht über die ganze Grillfläche verteilen. Schieben Sie die heiße Kohle immer auf eine Seite und sorgen Sie so dafür, dass ein indirekter Grillbereich (Bereich in dem keine direkte Hitzequelle unter dem Gargut vorhanden ist) entsteht. Dies ermöglicht Ihnen, fertiges Fleisch noch etwas ruhen zu lassen, es auf die gewünschte Kerntemperatur ziehen zu lassen oder es einfach warm zu halten.

Die meisten Grillmodelle sind inzwischen mit einem eingebauten Deckelthermometer ausgestattet. Dieses sollte jedoch nur als grober Anhaltspunkt dienen, da die Temperatur unter dem Deckel eine andere ist, als jene, die auf dem Grillrost und beim Gargut herrscht. Besser eignet sich ein Digitalthermometer, welches eine Anzeige für die Kerntemperatur und die Garraumtemperatur besitzt.

Ist für die Ermittlung der Garraumtemperatur kein Thermometer vorhanden, gibt es einen kleinen Leitfaden zur groben Ermittlung der Temperatur:
  • Kann man die Handinnenfläche ca. 12 cm über dem Grillrost für 2 bis 4 Sekunden halten, besitzt der Grill eine Temperatur von 230-290 °C
  • Kann man die Handinnenfläche ca. 12 cm über dem Grillrost für 5 bis 7 Sekunden halten, besitzt der Grill eine Temperatur von 175-230 °C
  • Kann man die Handinnenfläche ca. 12 cm über dem Grillrost für 8 bis 10 Sekunden halten, besitzt der Grill eine Temperatur von 120-175 °C
Bei Long Jobs, bei denen über Stunden die gleiche Temperatur gehalten werden muss, sollten Sie das Grillgerät gut kennen und zu bedienen wissen. Schwanken die Temperaturen im Grill stark, kann das Grillgut trocken werden werden oder ungleichmäßig garen. Öffnen Sie den Deckel des Grills nur im Notfall, oder wenn z.B. eine Mobsoße aufgetragen werden muss. Bei jedem Öffnen entweicht Hitze und der Grillvorgang verlängert sich jeweils um etwa 10-15 min. Achten Sie beim Grillen darauf, dass die heiße Luft gleichmäßig um das Grillgut strömen kann, sodass gleichmäßig gegart wird.

Falsches Zeitmanagement und Hektik

Wer kennt es nicht: Man lädt zum gemütlichen Beisammensein und Grillen ein und am Ende steht einer die meiste Zeit überfordert am Grill, weil jeder irgendetwas mitgebracht und gegrillt haben möchte! Alles hat unterschiedliche Garzeiten und benötigt andere Temperaturen. Zu Beginn seiner "Grillkarriere" muss man in der Regel viel Lehrgeld zahlen, was Zeit- und Lebensmittelmanagement angeht:
Sie möchten um 13 Uhr essen, jedoch hat das Brisket bis dato eine Kerntemperatur von 75 °C und nicht wie angepeilt 90-94 °C. Die hungrige Meute sitzt währenddessen wartend am Tisch und isst verzweifelt Brot und Salate.

Für einen gelungenen Grillabend testen Sie ein Gericht das für mehrere Personen bestimmt ist einmal für sich und ganz in Ruhe. Dann ist es egal ob Sie 2 Stunden früher oder später essen müssen und Sie bekommen ein Gefühl für die Abläufe und die benötigte Zeit.

Außerdem ist es wichtig am Vortag alles vorzubereiten, was möglich und nötig ist, um am eigentlichen Grillevent alles stressfrei über die Bühne zu bringen:
  • Bestellen Sie das Fleisch beim Metzger vor, um genau das benötigte Stück mit passendem Gewicht zu bekommen und nicht von vornherein einen schlechten Kompromiss eingehen zu müssen
  • Stellen Sie sicher, dass genug Kohle oder Gas vorhanden ist
  • Erstellen Sie sich eine Einkaufsliste, auf der auch die Gewürze und Verbrauchsmaterialien wie Kohle, Gas, Alufolie, Frischhaltefolie, Einweghandschuhe usw. vermerkt sind
  • Vergewissern Sie sich, dass die Batterien im Digitalen-Thermometer die Batterien voll bzw. Ersatzbatterien griffbereit sind
  • Recherchieren Sie, welche Kerntemperatur das Fleisch benötigt und ob es evtl. im Internet oder in Büchern Erfahrungsberichte anderer Griller gibt, was die Zubereitungszeit angeht
  • Bedenken Sie, dass das Fleisch wenn möglich immer am Vortag mariniert werden sollte (wenn das Fleisch dafür geeignet ist)
  • Informieren Sie sich, ob Sie das Fleisch nach Erreichen der angepeilten Kerntemperatur warm halten können und wie/wo Sie das machen (evtl. muss der Backofen oder ein anderer Grill dazu benutzt werden). Unter Umständen sollte es sogar noch 1-2 Stunden vor dem Essen ruhen wie z.B. PP oder Brisket.
  • Werden unterschiedliche Temperaturen oder Garzeiten von unterschiedlichem Gargut benötigt, bietet es sich an, einen Zeitplan zu erstellen und diesen zu Papier zu bringen
  • Alle benötigten Utensilien wie Schüsseln, Schalen, Küchenpapier, Alufolie, Frischhaltefolie, Besteck, Grillzangen, Grillhandschuhe, Thermometer, Anzündkamin, Kohle, Gas, Einweghandschuhe, Bier, Licht bei Dunkelheit usw. sollten griffbereit neben dem Grill platziert werden
  • Planen Sie ein, dass das Entzünden der Kohle und das Einregeln des Grillgeräts Zeit in Anspruch nimmt
  • Wollen Sie bei "Long Jobs" wie Pulled Pork oder Brisket auch mal ein paar Stunden in Ruhe schlafen, empfiehlt es sich, ein Funkthermometer mit Alarmfunktion einzusetzen, das bei Über- oder Unterschreitung von Kern- oder Garraumtemperatur ein Warnsignal von sich gibt

Grillgut mit Bier ablöschen und beträufeln

Ein immer noch weit verbreiteter Brauch ist das Beträufeln oder Ablöschen des Grillguts mit Bier. Aus folgenden Gründen, sollten Sie dies besser lassen:
  • Geschmacklich bringt es rein gar nichts
  • Kohle-Asche wird aufgewirbelt und legt sich auf das Grillgut, was gesundheitsschädlich und nicht sonderlich schmackhaft ist
  • Die Kohle verliert durch das kalte Bier an Temperatur
Sie werden dem Bier also zu besserem Nutzen verhelfen, indem Sie es einfach trinken.

Nutzung von feuchtem und kaltem Holz in Smokern

Kommt ein BBQ-Smoker zum Einsatz gibt es einige Dinge zu beachten. Mit das wichtigste ist das Holz mit dem geräuchert wird.
  • Das Holz sollte eine Feuchtigkeit von unter 15% oder besser 10% haben, ansonsten entsteht feuchter Rauch. Das hat zur Folge, dass sich Ruß auf dem Gargut niederlegt. Dies sieht nicht gut aus, schmeckt nicht gut und ist ungesund, da das Holz noch viel Gerbsäure enthält. Trockene Holzchips oder Chunks anschließend zu wässern ist vollkommen in Ordnung und nicht dasselbe wie gerbsäurehaltiges frisches Holz.
  • Das Holz sollte auf dem Smoker oder an einem anderen warmen Ort vorgewärmt werden. Dies verhindert eine zu starke Rauchentwicklung, die keinen schönen Geschmack an das Grillgut bringt und höchstens Stress mit dem Nachbarn zur Folge hat.

Fleisch längs zur Faser schneiden

Bei großen Fleischstücken, welche am Stück gegart werden, ist es wichtig, im rohen Zustand die Faserrichtung zu erkunden. Markieren Sie sich ruhig durch das Einstecken eines Zahnstochers die Richtung. Wird nach dem Garen längs der Faser angeschnitten, kann dies auch bei perfektem Gargrad ein zähes Ergebnis zur Folge haben.

Schneiden Sie das Fleisch immer quer zur Faser, denn so lockert sich das Bindegewebe etwas auf und zusätzlich sieht es auch besser aus.

Fertiges Steak in Alufolie warm halten oder ruhen lassen

Wickeln Sie Ihr Steak nicht in Alufolie, um es warm zu halten oder ruhen zu lassen. Dadurch wird aus der zuvor krossen Kruste wieder eine weiche Oberfläche. Zusätzlich fängt das Steak wortwörtlich an zu schwitzen und gibt seine innenliegende Feuchtigkeit in die Alufolie ab.

Billiges und kaum abgehangenes Fleisch vom Discounter

Jeder sollte sich hinterfragen, ob sein Kaufverhalten für sich und den Erzeuger gut ist. Wer ein Grillgerät für 500-4000 € besitzt, sollte sich kein Billigfleisch für 1,99 € pro kg auf den Grill legen. Wer kaum abgehangenes Fleisch kauft, wird trotz eines teuren und hochwertigen Grills ein zähes Stück zwischen den Zähnen haben. Es tritt schon beim Anschnitt sehr viel Fleischsaft aus und das Fleisch wird trocken. Anhand von Discounter-Hackfleisch sieht man eindrucksvoll die mangelhafte Qualität: Nach dem Anbraten sind vielleicht noch 50% des "Nassgewichts" übrig.

Der massenhafte Konsum von Discounterfleisch sorgt dafür, dass die Erzeuger immer mehr auf Massentierhaltung setzen. Unter der schnellen und intensiven Aufzucht, der engen Haltung der Tiere und dem vermehrten Einsatz von Antibiotika und anderen Medikamenten leidet die Fleischqualität und auch der Gesundheit des Fleischkonsumenten ist diese Entwicklung nicht zuträglich.

Nicht nur aus ideologischen, sondern auch aus Gesundheits- und Qualitätsgründen, sollten Sie also Metzger in Ihrem Dorf oder in Ihrer Stadt unterstützen, die entweder selbst schlachten oder regional und nachhaltig zukaufen. Eventuell haben Sie sogar die Möglichkeit, einen Direktvermarkter-Bauernhof in Ihrer Nähe aufzusuchen, der in bestimmten Intervallen schlachtet. Dort können Sie sogar sehen, wie die Tiere aufwachsen.

Als Grundsatz gilt: Lieber einmal weniger Fleisch essen, dafür aber auf Qualität, artgerechte Haltung und Nachhaltigkeit setzen.

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